Hotzenplotz sei Dank

Hotzenplotz sei Dank…
Gastbeitrag von Maren

13.15 – na klar, ich wollte weg und bin es doch noch nicht, aber 15 min später geht es aus dem Büro nach Hause. Zunächst muss noch Lenn aus dem KiGa abgeholt werden! Aber alles klappt: Lene und Lenn und ich sind 14 Uhr zu Hause. Wir essen schnell eine Kleinigkeit, Lene will ihre restlichen Sachen packen, Lenn geht lautstark “Hotzenplotz” (Folge 6 zum hundertsten Mal oder doch Folge 100?) hören. Ich mache Brote, aber statt im Käse landet das wirklich scharfe Messer tief in meinem linken Zeigefinger, wirklich tief. Ich drücke den Finger ab und rufe Lene. Wir suchen Pflaster, stellen aber schnell fest, dass Pflaster nicht helfen wird – das Blut schwillt im Pulsschlag aus dem Finger. Sieht lecker aus! Also Druckverband, aber womit eigentlich? Schlecht ausgestattet, liebe Familie S.! Wir klauben irgendetwas zusammen, Lene ist sehr tapfer und verbindet den Finger, kümmert sich um die zahlreichen Blutflecken auf dem Fußboden. Aber der Finger blutet immer noch! Lene schaut, ob unsere Sanitäternachbarn zu Hause sind; die wären dann heut um einen Besuch von mir nicht herumgekommen, aber denkste. Ich suche aus dem Internet die Telefonnummern von Ärzten, nur hat keine Praxis auf! Also bitte ich Bernd nach Hause zu kommen, da ich iin die Stadt in die Notfallchirurgie fahren will. Mein kleiner Lenn hat von all dem nichts mitbekommen: Hotzenplotz sei Dank! Ich rase also los und weise mich selbst als Notfall ein: “Ich glaube, ich bin ein Notfall!” Die Schwester spricht mit dem Arzt, der eigentlich grad Feierabend machen will. Um die Motivation zu erhöhen, teile ich vom Flur aus mit, dass ich privat versichert bin. Wenn das nicht hilft! Also komme ich dran. Mein schlechtes Gewissen plagt mich später und ich erläutere dem Arzt, dass ich normalerweise nicht mit der Privatversicherung hausiere, aber ich will heute schließlich noch nach Paris! Na ja, er mag das gar nicht mit den Privatpatienten, aber er ist dann doch wirklich nett! Und die Schwester verbindet mich dann auch professionell und ist superlieb (sie kommt ja auch aus Thüringen). Beide wünschen mir eine gute Reise und viel Spass und ich soll den Finger schonen, also keine Koffer schleppen! Ja klar, ich liege super in der Zeit und Mein hilfsbereiter lieber Mann wartet auf mich. Jetzt geht’s los! Ab nach Haus! Aber Bernd ist nicht da (Na, dolle Sorgen macht er sich um mich ja nicht!) Mein armer Göttergatte steht nämlich im Nachbarort und wechselt einen platten Reifen! Das muss er selbst tun, da das Porsche-Autohaus keinen Abschleppwagen hat und der ADAC keine Zeit. Also packen wir unsere Siebensachen (wir werden noch merken, dass wir nur unsere Fünfsachen dabei haben!) , toben zu ihm. Lene ist total hilfsbereit ( die Parisreise ist eben wirklich verdient) und Lenn macht wundersamerweise auch mit. Bernd schafft es, den Reifen zu wechseln ( ich hätte es nicht gekonnt), wir sind jetzt 1 h und 5 min vor Abfahrt unseres Zuges nach Paris! Die Hoffnung den Zug zu bekommen, ist noch nicht gestorben. Bernd bringt den Porsche ins Autohaus, ich fahre mit den Kindern auch dorthin. Unterwegs (wir sind ja clever) ruft Lene beim Taxi – Unternehmen an. Der Vollpfosten am Telefon erzählt mir, dass er kein Auto hat, aber er ruft mal einen Fahrer an und meldet sich in einer Minute. Auf diesen Anruf warte ich wohl noch, wenn wir aus Paris zurück sind!
Ein Porsche-Mitarbeiter fährt uns zur S-Bahn. Das Taxi hätte uns im Feierabend-Berufsverkehr wahrscheinlich eh nicht rechtzeitig zum Zug gebracht. der Fahrer schwätzt locker mit Bernd und ich weise dann darauf hin, dass wir wirklich schnell zum Zug müssen! Daraufhin fährt er bei orange über eine Ampel. Bernd will aufgeben und nach Hause fahren, weil wir den Zug eh nicht mehr bekommen: noch 30 min bis zur Abfahrt und wir sitzen in einer S-Bahn nach Dietzenbach, in der niemand außer uns ist. Die nächste Bahn fährt auf einem anderen Gleis, der nette Zugführer bestätigt das. Also raus aus dem Zug und ab auf den anderen Bahnsteig! Na klar, schonen kann ich meinen Finger jetzt nicht! die S-Bahn kommt, Bernd hat aber definitiv keine Lust mehr und will nach Hause. Ich protestiere lautstark ( soweit das auf dem Bahnsteig geht) und Lene protestiert leise, indem sie einfach nichts sagt. wir fahren also mit der S-Bahn um 16.41 Uhr, wir können es eigentlich nicht mehr schaffen, es sei denn die Hochwasserlage im Osten sorgt auch bei den Zügen gen Westen für Verspätung. (wird der Osten den Westen so stark beeinflussen können? Warum eigentlich nicht, der grüne Abbiegepfeil und die Kinderkrippe sind doch auch imWesten angekommen!) Also, die Hoffnung lebt! 17.15 Uhr sind wir am Frankfurter Hbf und hetzen zu Gleis 3: gähnende Leere. Eigentlich haben wir es alle gewusst. Also ab zum DB-Büro, obwohl Bernd eigentlich immer noch nach Hause will. Ich Stürze mich siegesgewiss an den Schalter und werde von Bernd zurück gerufen. Ein DB-Mitarbeiter mit Migrationshintergrund erklärt uns, dass man hier nicht so einfach rein kan, sondern -Trommelwirbel -eine Marke ziehen muss. Sind wir hier beim Arbeitsamt? Ich wundere mich frech und behaupte, dass das früher nicht so war. So reiße ich das Gespräch an mich, damit mein Mann nicht ausfallend werden kann. Diese Bedrohung wächst von Minute zu Minute. Der nette Bahn-Mensch schaut sich unser Ticket an und geleitet uns dann plötzlich zu einem besonderen Schalter. Wir haben nämlich ein 1.Klasse-Ticket! Jubel! “Dann brauchen Sie keine Nummer ziehen, sondern können sich hier direkt anstellen.” Das ist doch toll: das 1.Klasse-Ticket berechtigt zum direkten Anstehen, die anderen dürfen im Sitzen warten, bis ihre Nummer angezeigt wird. Wir stehen und warten. Dann bedient uns ein netter grummeliger Hesse. Er teilt uns mit, dass wir für die Fahrt nach Paris, die erst 19 Uhr startet, zusätzlich 400 Euro zahlen müssen – das ist die Differenz zum regulären Preis für eine Fahrt. Das ist aber auch mehr als wir für die ganze Fahrt gezählt haben. Ich sehe, dass Bernd gleich Amok läuft und teile dem Bahnbeamten mit, dass wir noch mal darüber nachdenken müssen. Bernd ist alles zu spät und er will immer noch nach Hause. Lene weint vor Wut und wahrscheinlich auch Enttäuschung. Wir ziehen etappenweise in die DB-Lounge um und sind berechtigt, in der First-class-Abteilung Platz zu nehmen. Es gibt kostenlos Getränke, Essen und W-Lan, sehr entspannend. Wir prüfen also unsere Möglichkeiten: Zug fahren heute noch, Zug fahren morgen, fliegen. Wir entschließen uns – Damenmehrheit siegt – heute noch nach Frankreich zu fahren. – mit dem Zug. Also frage ich bei Fabrice nach, ob es auch möglich ist, erst 23 Uhr die Fewo zu übernehmen. Er ist total nett und sagt problemlos zu. Lene und ich kaufen bei dem grummeligen Hessen das Ticket und genießen noch die DB-Lounge. Bernd fügt sich und bestellt ein Hefeweizen. Alles wird gut! Das tut es dann auch tatsächlich. Wir sitzen pünktlich im Zug und bekommen sogar ein Abendbrot -obwohl wir mit der Deutschen Bahn fahren. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle und Lenn schläft auch irgendwann ein. Leider erst 10 min vor Ankunft. Am Gare du l’Est müssen wir noch Geld holen. An sich kein Problem, aber der Automat gibt nur 300 Euro pro Transaktion! Darüber muss Mann sich wieder aufregen, weil das kann doch nicht sein! Da wir ca. 800 Euro brauchen, muss man halt 3 x 300 Euro abheben, ist eigentlich nicht wirklich schlimm und so machen wir es dann auch. Die nächste Hürde ist der Taxi-Stand: Nein, es warten nicht mehrere Taxis auf uns, sondern mehrere Passagiere warten auf ihr Taxi. Bernd zückt siegesgewiss den Paris-Stadtplan um eine Metro ausfindig zu machen. Ich denke mir meinen Teil. Schließlich ist es schon nach 23 Uhr und dunkel. Da lesen sich Stadtpläne ganz schlecht! Lene, Lenn und ich schieben uns in der Reihe vorwärts und nach 5 min kommen wir an die Reihe.Unser Taxi-Fahrer ist ein wenig durchgeknallt. Erst verweist er Bernd auf die Rückbank, dann zuckt er während der Fahrt unkontrolliert hin und her. Sein Auto beinhaltet eine umfangreiche Ansammlung von Restmüll, aber es kann doch nicht noch mehr schief gehen!!! Wir kommen am richtigen Haus an, der Code für die Tür stimmt und nach 10 min kommt Fabrice! Ein Traum! Ein wirklich attraktiver Mann, total nett! Er hilft uns selbstverständlich die Sachen rein zu bringen. Und ich darf mit ihm Aufzug fahren!!!! Peinlicherweise erzähle ich ihm vom Wetter in Frankfurt! Na ja egal. Fabrice erklärt uns noch die Wohnung. Lene und ich überlegen währenddessen, ob Fabrice schwul ist. Das wäre ein Verlust für die Frauenwelt, wirklich! Irgendwann ist Fabrice fertig und wir können ankommen. Die Wohnung ist ein wenig anders als die Fotos erwarten ließen (Weitwinkelfotografie lässt grüßen), aber es ist sauber und nett. Wir sind tatsächlich in Paris! Paris ist laut und die ganze Nacht wach, das werden wir noch merken! Aber den beschwerlichen Weg haben wir gemeistert!

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